Am 16.2.2018 fand die Februarversammlung in Böttcher’s Gasthaus in Nenndorf statt. 19 Mitglieder nahmen an der Veranstaltung teil.

Neben dem allgemeinen Teil, wie Protokollverlesung der letzten Versammlung, Terminankündigungen und dem Bericht des 1 Vorsitzenden standen Vorträge und Diskussionen über die Vorbereitung auf die bevorstehende Brut- und Zuchtsaison auf der Tagesordnung.

Der Taubenzuchtwart Hans-Heinrich Beecken empfahl eine nicht zu frühe Anpaarung der Zuchtpaare. Die Täuber sollten im Zuchtschlag verbleiben und die nicht benötigten Zellen und Sitzplätze werden entfernt. So unterbleibt ein Belegen von mehreren Brutzellen durch dominante Täuber und es gibt bei der Anpaarung wesentlich weniger Unruhe. Natürlich sollten nur mit vitalen und gesunden Elterntieren gezüchtet werden. Selbst hochprämierte Tiere, mit allen Vorzügen, die aber nicht hinreichend vital sind, haben in der Zucht nichts zu suchen. Bei vitalen Beständen sind ihm in seiner langjährigen Züchterlaufbahn keinerlei Inzuchtschäden bekannt, selbst bei sehr enger Rückpaarung. Züchterische Merkmale können so aber deutlich früher gefestigt werden, als wenn ständig neues Blut in den Bestand eingekreuzt wird.

Durch eine nur mäßige, dafür dreimalige Fütterung am Tag, mit nicht zu energiereichem Futter, verhindert er, dass die Täuber zu schnell zum nächsten Gelege treiben und die noch nicht futterfesten Jungtauben des Vorgeleges von den Alttieren nicht mehr ausreichend versorgt werden. Werden die Tauben nur morgens und abends gefüttert, besteht die Gefahr, dass die Täuber das beste Futter fressen und die Täubinnen erst nach Ablösung auf den Nestern mit den Futterresten vorlieb nehmen müssen.

Anders, als bei den Hühnern, spielt die Tageslichtlänge und die Intensität des Lichts keine entscheidende Rolle. Die Tauben züchten eigentlich das ganze Jahr über regelmäßig.

Bei Studienzwecken mit separat gehaltenen verwilderten Stadttauben berichtete Hans – Heinrich, dass die Paare über das gesamte Jahr und weitestgehend verlustfrei pro Gelege zwei Jungtiere aufzogen. Interessant war die Aussage, dass die Jungtauben jahreszeitlich mit sehr unterschiedlichem Futter gefüttert wurden. Im Winter wurde hauptsächlich Mais an die Jungtauben verfüttert, dass die Alttiere an Maissilos aufnahmen, im Frühjahr und Sommer bestand die Nahrung vorwiegend aus Käfern, Schnecken und viel Grünzeug, was Hans-Heinrich zu der Aussage „Tauben sind Allesfresser“ bewog. Über die Hintergründe und Strategien zur Abwehr der Jungtaubenkrankheit, konnte nur am Rande gesprochen werden, dieses kann aber eigenständiges Thema in einer zukünftigen Versammlung werden.

Für den erkrankten und entschuldigten Zuchtwart Hühner/Zwerghühner, Karl – Heinz Weselmann,  referierte Heinrich Thomas. Er merkte an, dass man ausschließlich mit ausgereiften Hennen züchten solle, die im vorangegangenen Kalenderjahr bereits gelegt haben. Hennen, die im Jahr der Bruteiergewinnung – also erst nach dem Winter- die ersten Eier legen, sind für den Zuchtstamm nicht zu empfehlen. Die Bruteier sind dann in der Regel noch zu klein und es schlüpfen auch zu kleine Küken aus den Eiern. Bestens geeignet für die Zuchtstämme sind natürlich auch bewährte Althennen. Hier ist allerdings ein besonderes Augenmerk darauf zu legen, dass die Hennen nicht zu fett sind. Ohnehin ist darauf zu achten, dass die Zuchttiere eher knapp und abwechslungsreich, als zu üppig gefüttert werden. Die Tiere werden es mit entsprechender Legeleistung und Befruchtungsergebnissen danken.

Bereits frühzeitig sollten die Stallungen und Gerätschaften desinfiziert werden.

Für die Bruteiergewinnung ist es, gerade bei großen Rassen und bei Rassen, die früh im Jahr gebrütet werden müssen, unerlässlich, mit künstlicher Beleuchtung zu arbeiten. Hühner legen über die Augen. Wichtig ist der Einsatz von ausreichend hellen Leuchtmittel. Kunststoffröhren, die ein flackerndes Licht erzeugen, sind absolut ungeeignet.

Auch sollte die Beleuchtung morgens einsetzen. Eine Tagesverlängerung durch Beleuchtung am Abend ist weniger effektiv, sowohl im Hinblick auf die Legeaktivität, als auch im Hinblick auf bessere Befruchtungsergebnisse.

Einzelne verschmutzte Bruteier werden von Heinrich mit einer schwachen Desinfektionslösung gereinigt. Rege Diskussion kam bei der Frage nach dem Impfen der Küken auf. Heinrich impft gegen Marek, nicht aber gegen Kokzidiose, sondern füttert die Küken anfangs mit Putenstarter, später mit Kükenaufzuchtsfutter, dem Kokzidiosestatika beigemischt ist. Andere Züchter wollen auf keinen Fall auf eine Kokzidioseimpfung verzichten. Wichtig bei der Marekimpfung ist, dass die Küken auf jeden Fall separat von den Alttieren gehalten werden und auch eine Staubübertragung aus dem Alttierstall durch Schuhe und Kleidung des Züchters vermieden werden muss, bis der vollständige Impfschutz eingetreten ist. Bei der Kokzidioseimpfung ist es wichtig, dass die Küken ausreichend lange immer wieder mit dem eigenen Kot in Verbindung kommen, um so eine Immunität aufzubauen. Ein häufiges Reinigen des Kükenstalls in dieser Phase würde dem Impferfolg im Wege stehen.

Auch ist darauf zu achten, dass die Küken, die gegen Kokzidien geimpft werden, niemals Kükenfutter mit Kokzidiosestatika bekommen, da sonst die Impfkokzidien abgetötet werden und sich keine Immunität aufbauen kann.

Als Wärmequelle für seine Küken benutzt Heinrich Dunkelstrahler, mit dem Hinweis, dass die Küken dann entsprechende Ruhephasen in der Nacht haben und vor allen Dingen die Kämme nicht zu schnell wachsen. Andere Züchter wiederum verwenden Rotlichtstrahler, damit die Küken mehr Futter aufnehmen und schneller wachsen. Beide Sichtweisen sind sicherlich auch von der Frage abhängig, welche Rasse man züchtet. Eine ausgewogene Fütterung, bei der auch Haferflocken zum Einsatz kommen, ein abwechslungsreich strukturierter Stall und eine mäßige Besatzdichte sind die besten Voraussetzungen, dem lästigen Federpicken vorzubeugen. Heinrich gab dann noch einen wichtigen Hinweis, wie man Spreizbeine bei den Küken in den ersten Lebenstages vorbeugt. Er verwendet in der ersten Zeit ausrangierte Bettlaken als Unterlage, auf denen die Küken bestens Halt finden.

Abschließend bleibt festzustellen, dass wohl jeder Züchter seine persönlichen Strategien und Mittelchen, für eine erfolgreiche Kükenaufzucht hat. Interessant und notwendig ist ein derartiger Züchteraustausch auf der Versammlung allemal.

 

Volker Niemeyer